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Preußisch Litauen - Klein Litauen - Lithuania Minor

von Beate Szillis-Kappelhoff

Im Jahr 2000 erschien der erste Band der Kleinlitauischen Enzyklopädie, der von nach Kanada und in die USA ausgewanderten „Kleinlitauern“ initiiert wurde. Dieses lobenswerte Werk befasst sich mit dem Kulturerbe jener Landschaft, die in Ostpreußen unter dem Namen „Preußisch Litauen“ oder den altpreußischen Stammesnamen „Nadrauen“ und „Schalauen“ bekannt ist. Allerdings weniger bekannt ist die Tatsache, dass der „Rat für Kleinlitauische Angelegenheiten“ politische Ziele verfolgt, die weit in die Zukunft des Königsberger Gebietes (Kalinigradskaja Oblast) greifen sollen. Der Rat macht Besitzansprüche auf dieses Gebiet geltend. Und zwar behauptet er, dass das kleinlitauische Gebiet östlich des Flusses Deime im 13.Jh. unter König Mindaugas/ Mindowe zu Litauen gehört hat.

Mindaugas, Herrscher von Nadrauen und Schalauen? Das kommt etwas abenteuerlich daher, deckt sich keinesfalls mit deutscher Geschichtsschreibung und soll daher hinterfragt werden.

Betrachten wir es zunächst aus geografischer Sicht: Das Gebiet des heutigen Staates Litauen ist zum größten Teil das Urland der Zemaiten/ Samogiten/ Szemeiten (Nieder-Litauer). Es liegt auf einer Hochebene und grenzt sich von der Niederung des sogenannten Memellandes ab. Das Gebiet beidseits der Memel wurde vom prußischen Stamm der Schalauer bewohnt, die also Nachbarn der Zemaiten waren. Südlich und südöstlich davon lebten die prußischen Nadrauer. Von Hoch-Litauern ist in dieser Gegend weit und breit keine Spur, denn zwischen den Nadrauern und Litauern lag das Gebiet der prußischen Sudauer (russisch Jatwinger, polnisch Pollexianer). Sowohl Zemaiten als auch Sudauer waren unabhängig und verbündeten sich mal mit mal gegen Litauen. (http://samogitia.mch.mii.lt/istorija.en.htm) (http://www.muenster.org/litauen/html/geschichte_der_balten.html)

Betrachten wir es aus historischer Sicht, so gibt es schon Differenzen zwischen Zemaiten und Litauern: Auf zemaitischen Home Pages wird Herzog Vykintas, der 1236 die Schlacht von Schiauliai gewann, als samogitische Führerpersönlichkeit beschrieben, während die litauischen Home Pages sich über dessen Zugehörigkeit ausschweigen. Wenn auf diese Weise Vykintas von "Groß-Litauen" vereinnahmt wird, so macht es andererseits keinen Sinn, eventuelle glorreiche Eroberungen prußischer Gebiete zu verschweigen. Und doch finden sich nirgends Hinweise auf die Eroberung Schalauens und Nadrauens, wo hingegen Mindaugas Aktivitäten in östliche Stoßrichtung zahlreiche Erwähnung finden. Mindaugas Verdienst war es, ethnisch litauische Gebiete zu vereinen, so zu einer machtpolitischen Größe zu werden und dadurch das großlitauische Gebiet weit nach Osten auszudehnen. Mindaugas wurde 1263 ermordet. Samogitien/ Zemaitija führte bis zum Frieden am Melnosee 1422 ein Sonderleben und bewahrte seine alte adlige Stammesverfassung. Dass Mindaugas als Hilfsgröße und angeblichen Beweis für großlitauischen Anspruch auf Preußisch-Litauen nicht in Betracht kommen kann, wird auch von der litauischen Archäologin Marija Gimbutas gestützt.
(http://www.muenster.org/litauen/html/body_lit-pol.html)

Die Unhaltbarkeit großlitauischer Ansprüche widerlegt Paul Karge 1925 in „Die Litauerfrage in Altpreußen in geschichtlicher Beleuchtung“: Im ersten Teil widerlegt er Untersuchungen des Sprachforschers Adalbert Bezzenberger, der Ortsnamen in Preußisch-Litauen untersucht hatte, dabei jedoch wichtige Quellen des Königsberger Staatsarchivs unberücksichtigt gelassen habe. Karge bemerkt ironisch: „...dem die tiefer grabenden neueren Methoden geschichtlicher Forschung fern lagen“. Bezzenberger habe tiefer liegende Sprachschichten nicht beachtet und habe so die niemals existent gewesene „Deime-Linie“ erfunden. Allerdings entschuldigt Karge Bezzenberger, da dieser sich auf Max Toeppen verlassen habe, der fälschlicherweise die Nadrauer und Schalauer als Litauer ausgegeben habe. Auf beide Seiten der Deime ziehen erst nach 1500 Litauer als Scharwerksbauern und Landarbeiter.

Dann befasst sich Karge mit der nicht gedruckten Dissertation von Gertrud Heinrich, der späteren Ehefrau von Hans Mortensen: „Beiträge zu den Nationalitäten- und Siedlungsverhältnissen von Preußisch-Litauen“ (1921). Gertrud Heinrich-Mortensen kommt zu dem Schluss, dass die Landschaften Schalauen und Nadrauen weder zu Litauen noch zu Zemaiten gehört haben. Zwar habe König Mindaugas sich als Herrscher über Samaiten gefühlt, was aber nicht heißen muss, dass es ihm tatsächlich gehörte. Immerhin läßt Mindaugas sich bei der Hochzeit seiner Tochter mit David von Wolhynien Schwarn von seinem Schwiegersohn die Oberherrschaft über Samaiten anerkennen. Es bleibt offen, ob der dazu berechtigt war. Zusätzlich behauptet eine Ordensurkunde vom 7. August 1259, in der Mindaugas ein Bündnis mit dem livländischen Orden abschließt, dass Mindaugas neben Samaiten auch Schalauen abtritt. Karge sagt, dass diese Urkunde eine späte Ordensfälschung aus dem 14.Jh. sei, die lediglich den Zweck hatte, dass eine solche Freigiebigkeit den Eindruck erwecken sollte, wenn man etwas verschenke, so muss man es besessen haben, auch wenn es allein schon verdächtig sei, dass Mindaugas Samaiten abtrete, obwohl er doch sein ganzes Leben darum gekämpft habe.

In den letzten Teilen seiner Abhandlung befasst sich Karge ausführlich mit der Besiedlung des Memellandes, Schalauens und Nadrauens. Im Memelzipfel wohnten Schalauer und Kuren. Im 15. Jh. waren Schalauer und Kuren bereits nach kölmischem und madgeburgischem Recht eingestuft, was eine gute Assimilation an das Deutsche beweist. Erst danach wurde der Zuzug von Litauern und Zamaiten als Scharwerksbauern und Gesinde für die sozial aufgestiegenen Schalauer und Kuren geduldet.

In Schalauen wird 1411 im Gebiet Tilsit-Ragnit ausdrücklich nur ein einziger Litauer erwähnt, der auch gleich vorsorglich als Pauwl Litthe kenntlich gemacht wird. Allerdings herrschen dann im Jahr 1540 hier bereits die litauischen Namen vor. Nadrauen war dagegen nach seiner Unterwerfung 1260 und nach dem Freiheitskampf bis 1274 nahezu ausgerottet. Es gibt jedoch Urkunden über Stadt- und Burggründungen, die besagen, dass in diesem Gebiet nur Prußen saßen. Erst 1539-40 geben Insterburger Steuerlisten Litauer an.

Karge schließt, dass im 13. und 14.Jh. keine Litauer in beträchtlicher Zahl vorhanden sind. Die wenigen sind Überläufer oder Flüchtlinge, die wegen ihres Übertritts zum christlichen Glauben von der heidnisch-nationalen Partei aus ihrer Heimat vertrieben wurden und in Preußen Zuflucht suchten. Sie hofften, zurückkehren zu können, wenn Litauen christlich geworden sein würde, wurden aber auch vom Orden als Pioniere betrachtet. Bis 1422 verhält sich der Orden äußerst vorsichtig mit dem Ansetzen von Samaiten und Litauern. Sie werden persönlich benannt. Eine Ausnahme macht die Litaueransiedlung 1382 in Balga für 4000 alte preußische Mark. Diese Menschen waren christliche Überläufer und Kriegsgefangene aus der Zeit der Belagerung und Zerstörung von Kaunas/ Kauen und wurden sicherheitshalber weit von der litauischen Grenze entfernt angesetzt.

Ab 1422 setzt jedoch eine eigentümliche Landflucht von Samaiten und Litauern in das mildere Recht des Ordens ein, weil die litauischen adligen Herren das Bauerntum unterdrücken. Seit der polnisch-litauischen Union 1413 erhielten sie sämtliche polnische Adelsrechte und ahmten den polnischen Adel nach. Zudem wurde die Grenze nicht mehr von Schalauern bewacht, die vom Orden beauftragt gewesen waren, die Zemaiten abzuhalten. Schließlich übte die höhere deutsche Kultur sowie der höhere Lebensstandard seinen Reiz aus. Ebenso trieb die Hoffnung auf größeren und freieren Landbesitz. Die litauischen Großfürsten führten bei den Hochmeistern und deren Beamten in den Komtureien ständig Klage darüber, man gebe ihnen die entlaufenen Untertanen nicht heraus sondern verschaffe ihnen Land und Nahrung. Ende des 15.Jh. blieben deutsche Kolonisten aus, also nahm man im Süden die Masowier, im Norden die Samaiten und Litauer. Und sie kamen gerne! Und so entstanden litauische Dörfer. Der Anteil der litauischen Bevölkerung in Preußisch Litauen betrug weit über 50%. Woher der „Rat für Kleinlitauische Angelegenheiten“ seine 90% und mehr nimmt, hat er nicht offengelegt.

Die Sorge um die neue Bevölkerung ließ 1545 den Bischof Speratus von Pomesanien an den geflüchteten litauischen Adligen Abraham von Culva schreiben: „...möge jener armseligen Litauer sich annehmen, die in unserem Preußen sich neue Heimstätten errichtet haben, wo sie jedoch ohne Pastor herumirren, ohne Lehrer, ohne Gotteswort, ohne Verwaltung der Sakramente. Er möge sein eigenes Blut, seine eigenen Landsleute nicht verächtlich ansehen.“

Als Folge dieser Fürsorglichkeit erschienen in Ostpreußen unter anderem 1547 der litauische Catechismus und 1590 die Übersetzung der Bibel ins Litauische, denn die preußischen Herrscher empfanden es als ihre Pflicht, die Seelen zu binden.

Zurück zum „Rat für Kleinlitauische Angelegenheiten“: Aus der Besiedlung mit Masowiern und Zemaiten-Litauern konstruiert er nun eine Grenze, zumindest eine Sprachgrenze, zwischen diesen Ethnien und beansprucht mit eben derselben krummen Logik und mit der nicht haltbaren Berufung auf Mindaugas das mit Zemaiten und Litauern besiedelte nördliche Gebiet für Großlitauen. Auch die Tatsache, dass in Königsberg die ersten prußischen und litauischen Bücher erschienen, wird als Beweis für großlitauischen Anspruch auf das Königsberger Gebiet herangezogen.
(http://pirmojiknyga.mch.mii.lt/Leidiniai/Prusijoszem.en.htm)

Wo hat die kleinlitauische Bewegung ihren Ursprung? In "Groß-Litauen" gab es im 19. Jh. zahlreiche Aktivitäten gegen die russische Herrschaft, während das erwachende litauische Nationalbewusstseins zusätzlich durch das Erscheinen einer illegalen litauischen Zeitung in Ostpreußen unterstützt wurde. In Deutschland setzte nach der Gründung des Kaiserreiches ein Assimilierungsprozess ein, der ethnische Minderheiten an das Deutschtum binden sollte. In Preußisch Litauen war der Eindeutschungsprozess sowieso schon weit fortgeschritten; der überwiegende Teil der Zemaiten und Litauer hatte bereits den lutherischen Glauben angenommen, kulturell und ökonomisch ging es den Menschen weit besser als denen in Großlitauen. Es war allerdings eine Art schwebender Existenz zwischen den Kulturen. Man war loyaler Preuße litauischer Herkunft, sprach zu Hause in der Muttersprache, deutsch in Schule und Kirche, plattdeutsch im Umgang mit den Nachbarn. Man war stolz, Deutscher zu sein, auch wenn es schmerzte, von den Deutschen verächtlich und herablassend betrachtet und behandelt zu werden.

1887 wurde in Tilsit die Litauische Litterarische Gesellschaft Birute gegründet, es fanden kulturelle Veranstaltungen statt, Zeitungen und Vereine wurden gegründet. Eine hervorragende Rolle spielte Wilhelm Storosta, genannt Vydunas, der in Litauen sogar mit Mahatma Ghandi verglichen wird. Er kämpfte für litauische Rechte und litauische Sprache in „deutsch-besetzten Gebieten Litauens“, wurde jedoch beidseits der Memel weder verstanden noch akzeptiert. Die preußischen Litauer besuchten gerne musikalische und religiöse Veranstaltungen und befassten sich mit ihren sprachlichen Überlieferungen, mieden jedoch politische Versammlungen, die für großlitauische Ziele warben. Man war loyaler Preuße! Der niedrigere Lebensstandard, die konfessionelle Verschiedenheit und der Einfluss polnisch-russischer Sprache und Kultur konnte für preußische Litauer keine Verlockung darstellen.

Trotz dieses geringen Rückhalts unter den eigenen Leuten erklärte diese kleine Gruppe Unbeirrbarer am 30. November 1918 als Preußisch-litauischer Volksrat mit der „Tilsiter Akte“, dass nach dem Selbstbestimmungsrecht der Völker der Anschluss Kleinlitauens an Litauen gefordert wird. Es folgten 1946 und 1947 Resolutionen von Fulda, in denen gefordert wurde, die sowjetische Besetzung zu beenden und die Bewohner Kleinlitauens in ihre Heimat zurückkehren zu lassen. In den 1990iger Jahren wurden Memoranden bezüglich des Königsberger Gebietes ausgearbeitet. 1998 hat das litauische Parlament auf Initiative des RfKLA den 30. November zum Tag der Einheit von Klein- und Großlitauen proklamiert. Es bleibt abzuwarten, was der EU-Beitritt Litauens und Polens für Folgen haben wird und welche Lösungen Russland und die EU für den problematischen Oblast Kaliningrad finden werden. Ob dabei Flüchtlinge, Vertriebene, RfKLA, Litauer und Polen überhaupt gefragt werden, bleibt eine spannende Frage.

 


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