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Stalins Beutezug

 


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Ringen um Europa
Bogdan Musial: "Stalins Beutezug"
Rezensiert von Jörg Friedrich

Bogdan Musials hat mit "Stalins Beutezug" ein gut lesbares Buch vorgelegt, das dem so originellen wie naheliegenden Ansatz folgt, das Ringen um Europa 1939 bis 1945 abwechslungshalber einmal als Stalins Krieg zu betrachten. Darin geht es um die wirtschaftliche Vorbereitung, die Strategie, die Diplomatie, die Zurichtung der Gesellschaft, die prinzipielle Rechtlosigkeit und den Ertrag.

Die Ursachen des Zweiten Weltkriegs erlernt die hiesige Schuljugend kinderleicht: Ein urböser Schöpfergeist, Name bekannt, hat ihn gewollt, geplant, begonnen und verdientermaßen verloren, 80 Millionen Volksgenossen mit ihm, die dadurch aber gewissermaßen von sich selbst und ihrer blinden Führertreue befreit worden sind. Anscheinend aber nicht so ganz. Denn als glaubten sie heimlich etwas anderes, wird ihnen mit Kind und Kindeskind das verwickelte Getriebe des Gangs der Geschichte auf den moralisch ja zwingenden Nenner gehauen: "Die Hitlerei, Landsleute, war alles in schuld und schlimmer als jedwedes auf Erden Geschehene."

Ein wenig weiter östlich von hier badet keiner verloren im schlechten Gewissen. Man liest hellwach die Signale einer ringsum vulkanischen Welt, auch der von damals. Für die Polen spielen die Vulkane nach Hitlers Erlöschen durchaus weiter. Auch wenn sie des letzten kolossalen Nazi-Greuels an ihnen gedenken, der Unterwerfung des Warschauer Aufstands im Sommer 1944, mit 150.000 Ziviltoten, können sie den interessierten Zuschauer an diesem Massaker der Wehrmacht nicht vergessen. Am rechten Weichselufer lagerte Marschall Schukows I. Weißrussische Heeresgruppe.

Sie unterließ nicht nur den Eingriff, sie unterband auch eine anglo-amerikanische Luftunterstützung der Aufständischen. Hitlers Henker besorgten Stalins Geschäft. Ein selbstbefreites, autonomes Polen war darin nicht vorgesehen, sondern ein enthaupteter, ausgebluteter Rumpf.

So endete der polnische Krieg wie er angefangen hatte: als kombinierte Hitler-Stalin Operation. Nur dass bei diesen Komplizen der eine stets einen Schachzug weiter dachte. 1939 baute Stalin anders als sein Sozius auf eine sofortige Anschlussoffensive der Westmächte. Dazu Musial:

"Stalin glaubte, dass ohne Krieg die Ausbreitung der kommunistischen Herrschaft in Europa im großen Stil nicht möglich sei. Dafür rüstete er die Rote Armee auf und schuf eine leistungsfähige sowjetische Rüstungsindustrie. Und tatsächlich ermöglichte erst der teuer bezahlte Sieg der Sowjetunion die Ausdehnung des Kommunismus in Europa bis zur Elbe und den eigenen Aufstieg zur Weltmacht."

Die Leiter hinauf erklomm das unterentwickelte Land ausgerechnet auf dem Rücken des Großkapitals. Nach dem unerwarteten Fiasko der Franzosen und Briten im Mai 1940 bot es sich Stalin als Waffengefährte an, den treulosen Überfall seines Ex-Partners zu kontern. Die USA sahen keine andere Wahl, als ihre unerschöpflichen Ressourcen dem einen Verbrecher zwecks Überwindung des anderen zu leihen. Denn anderenfalls winkte Stalin noch die Option, dem stürmischen Hitler nachzugeben und mit Japan zu dritt das verhasste anglo-amerikanische Imperium zu kippen.

Ende 1942 war Stalin sich gewiss, dass seine West-Alliierten ihm jene Kontinentalherrschaft überlassen mussten, die Deutschland versagt blieb und den düpierten Westen bis 1990 in Schrecken versetzte. Als Gegenschrecken blieb ihm nur sein technologisches Ingenium, das zur Eindämmung des Kolosses ein Arsenal von Weltuntergangswaffen hervorbrachte.

Deren Betriebsgeheimnis spionierten alsbald die Sowjets aus, fortan von anderen unbesiegbar: demnächst erwirbt es jeder dämliche Zauberlehrling, wenn er nur zahlungskräftig ist und den Westen für untergangsreif hält. Warum nur lässt man ihn seine großartigen Siege nicht genießen? Kurz, es mag vielleicht einen Sinn ergeben, die Zeitgeschichte nicht einzig um die Achse des Scheiterns von Hitler zu biegen.

Wen die Lehren der hiesigen AntiFa-Kurse lückenhaft dünken, mag heute polnische, baltische und russische Historiker befragen, wieweit die Weltkriegsgeschichte sich tatsächlich bloß um das deutsche Unwesen gedreht hat. Mit Schuldbewusstsein ist doch nur ein beschränktes Geschichtsbewusstsein erlangt. Darin sind epochale Geschehnisse wie der pazifische Krieg der Westmächte 1941 bis 1945 um ihre Vorherrschaft im ost-südost-asiatischen Raum als solche unauffindbar. Ebenso der enorme Krieg desjenigen der Gewinner, der 1945 tatsächlich etwas gewonnen hatte. Am AntiFa-Horizont verschwimmt all dies zum Randgeschehen.

Den Rand sehen Menschen, sagen wir in Rangun, Singapur, Manila und Hiroshima naturgemäß woanders. Was immer sie den Churchill und Roosevelt verdanken, die Kriegsziele dieser war-lords würden sie nicht eben "Befreiung" nennen. Und benannten die ukrainischen Bauern 1943 damit Stalin, als der abermillionenfache Mörder ihrer Familien zurück an den Dnjepr kam? Im Märchenbuch als Befreier, laut Musial als Rächer.

"Noch heute behaupten Historiker und Publizisten, dass sich die sowjetischen Bürger trotz des Massenterrors der 1930er Jahre für das sowjetische Vaterland aufgeopfert hätten. Stalin betrachtete die 'Befriedung' des eigenen Hinterlands, seine Säuberung von 'Unrat' stets als die unabdingbare Voraussetzung für die Kriegführung. Viele Bauern sehnten einen deutschen Überfall auf die Sowjetunion herbei, weil sie in ihrer Verzweiflung hofften, auf diesem Weg vom kommunistischen Joch befreit zu werden."

Halb zutraulich halb notgedrungen kooperierten sie mit dem falschen Befreier, der sich den erprobten Kommunistenterror zum Handlungsmuster wählte. Die Terroristen wechselten, der Terror blieb. Diese Realverhältnisse ignorieren die hiesigen TV-Dokus und Ausstellungen über den Russlandfeldzug. Sie spielen eigentlich gar nicht in Russland, sondern im Innern des deutschen Vernichtungswahns. Anderer Leute Wahn und Vernichtung sind Unthemen. So versteht man denn vom ganzen Zivilisationsdebakel des 20. Jahrhunderts nur Bahnhof. An diesem speziellen Autismus des deutschen Geschichtsinteresses ist Bogdan Musial desinteressiert.

Das beeindruckende Schaffen des Historikers der Kardinal-Wyschinski-Universität zu Warschau eignet sich aber gut, unsereins davon zu heilen. So sei denn angezeigt, dass der Ullstein-Verlag ein höchst quellenreiches gut lesbares Buch vorlegt, das dem so originellen wie naheliegenden Ansatz folgt, das Ringen um Europa 1939 bis 1945 abwechslungshalber einmal als Stalins Krieg zu betrachten.

Die wirtschaftliche Vorbereitung, die Strategie, die Diplomatie, die Zurichtung der Gesellschaft, die prinzipielle Rechtlosigkeit, den Ertrag. Hitler kommt gebührend vor, doch als der Dumme. Als Zweitdümmster hat Churchill sich nachträglich selbst geoutet. Wenn dies vielleicht nicht die ganze Wahrheit ist, dann gewiss mehr als die halbe. Von welchem Geschichtswerk ließe sich Rühmenderes sagen? Einzelheiten, lieber Hörer, seien nicht verraten. Es nähme diesem atemberaubenden Text die Spannung.

Bogdan Musial: Stalins Beutezug. Die Plünderung Deutschlands und der Aufstieg der Sowjetunion zur Weltmacht - Propyläen Verlag/Berlin, 2010

Quelle:
Deutschlandradio Kultur, Lesart,  16.02.2011,
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/lesart/1386297/

 

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weitere Informationen:
22.10.2010: Die zähe Guerilla in den Wäldern Litauens
Bis in die fünfziger Jahre führten die Sowjets einen bis heute wenig bekannten blutigen Partisanenkampf in den „befreiten“ Westgebieten
http://www.jf-archiv.de/online-archiv/file.asp?Folder=10&File=201004012254.htm;
14.03.2008: 125. Todestag von Karl Marx - Weder Entartung noch Entgleisung
http://www.jf-archiv.de/archiv08/200812031443.htm;
 


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