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Der Vorsitzende der Stiftung Königsberg Dr. Herbert Beister, Dr. Friedrich W. Rothenpieler,
der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen Wilhelm von Gottberg
 und der Vorsitzende der Stadtgemeinschaft Königsberg Klaus Weigelt (v.l.).

Nach Europa zurückgekehrt
Der Sprecher der LO Wilhelm v. Gottberg bei der Gedenkveranstaltung 750 Jahre Königsberg

Rede des Sprechers der Landsmannschaft Ostpreußen (LO) Wilhelm v. Gottberg bei der Gedenkveranstaltung „750 Jahre Königsberg“ am 30. September in der Bayerischen Landesvertretung in Berlin.

Die LO ist unter Mithilfe der Stadtgemeinschaft Königsberg Organisatorin dieser Gedenkveranstaltung, mit der wir an den Gründungsakt der ostpreußischen Provinzhauptstadt und preußischen Residenzstadt Königsberg erinnern.

Die Ostpreußen sind geschichtsbewußt. Deshalb erinnern wir uns, aber wir erinnern auch die bundesdeutsche Öffentlichkeit an den 750jährigen Geburtstag Königsbergs. Zugleich erinnern wir uns an die schrecklichsten Jahre Königsbergs, die im Frühjahr 1945, also vor nunmehr 60 Jahren begannen.

Vor dem Hintergrund des Schicksals der Stadt und ihrer Menschen vor 60 Jahren kann unser Zusammensein heute hier in der Bayrischen Landesvertretung keine Festveranstaltung sein, wie es fälschlicherweise auf dem Ihnen vorliegenden Programm heißt. Wer spürt nicht die schmerzliche Empfindung in seinem Herzen wenn er heute von Königsberg spricht und sich dieser Stadt erinnert? Und spüren wir nicht alle diesen Schmerz bei unseren Besuchen in der Stadt am Pregel? Macht es uns nicht immer wieder fassungslos, wenn wir der Frage nachspüren, warum die Entwicklung Königsbergs zur russischen Stadt Kaliningrad führen mußte?

Die Ostpreußen sind Realisten. Wir haben die machtpolitische Situation in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg verinnerlicht. Das war ein schmerzlicher, jahrzehntelanger Erkenntnisprozeß. Daraus folgert, daß dies heute eine Gedenk- und Erinnerungsveranstaltung ist, bei der wir uns – auch mit Wehmut – der Geschichte der Stadt erinnern, einer Geschichte, die wahrlich in weiten Teilen ruhmreich zu nennen ist.

Der Anfang Königsbergs steht in Zusammenhang der Christianisierung, der Kultivierung und der planmäßigen Besiedlung des Prussenlandes durch den Deutschen Orden in den Jahren 1230 bis 1283.

Zur Absicherung seiner militärischen Erfolge sowie zur künftigen Gestaltung der Handelsbeziehungen des in Besitz genommenen Landes mit dem Ostseeraum gründete der Orden 1255 eine befestigte Siedlung an der Stelle einer alten prussischen Fliehburg, auf einem Hügel über der Pregelniederung. Sie erhielt zu Ehren des an der Besitznahme des Landes beteiligten böhmischen Königs Ottokar II. den Namen Königsberg. 1286 erhielt diese Siedlung das Stadtrecht, nachdem sie zwischenzeitlich durch prussische Abwehrmaßnahmen einmal zerstört wurde.

Königsberg hat somit eine lange Geschichte. Die Stadt erlebte zwar langsam, gleichwohl kontinuierlich eine Aufwärtsentwicklung. Sie stieg auf zum Mitglied der Hanse und wurde Residenzstadt des Herzogtums Preußen. Sie wurde Universitätsstadt und später zwischen 1701 und 1800 königliche Haupt- und Residenzstadt. Königsberg war die Stadt, aus der die entscheidenden Impulse für die preußischen Reformen von 1808 bis 1810 kamen. Schließlich wurde die Stadt preußische Provinzhauptstadt und industrielle Großstadt im agrarischen Osten des Deutschen Reiches. Die geistige Ausstrahlung der Stadt und ihrer Albertina-Universität wirkte aufklärend und modernisierend in die Weiten des europäischen Rußlands. Wir werden gleich mehr darüber von Prof. Stribrny hören.

Dieser Stadt und ihrer Anfänge erinnern wir uns hier und heute und hoffentlich nicht zum letzten Mal in diesem Jubiläumsjahr. Wir leisten damit einen Beitrag zur Wiedererlangung eines von einem aufgeklärten Patriotismus geprägten Geschichtsbewußtsein. Deutschland – und das gilt für alle Staaten – kann ohne ausreichendes Geschichtsbewußtsein seiner Menschen nicht auf Dauer den Anspruch erheben, eine Kulturnation zu sein. Dies sage ich heute vor dem Hintergrund, daß zwar noch ein kleiner, aber zunehmend größer werdender Teil der Schüler und jungen Erwachsenen der irrigen Auffassung ist, das Land hinter der Oder war immer schon polnisch und russisch und nur im Zweiten Weltkrieg für wenige Jahre von Deutschland okkupiert.

Meine Damen und Herren, vor 60 Jahren, am 9. April 1945 verlor Deutschland den letzten Rest seiner Verantwortung für Königsberg. Deshalb erinnern wir uns heute auch an die Anfänge von Flucht und Vertreibung vor 60 Jahren. Hierbei kommt uns das besondere Schicksal der Stadt in den Sinn. Ich möchte dieses Schicksal bei der heutigen Veranstaltung nicht ausblenden.

Königsberg hatte bis zur Kapitulation unbeschreiblich gelitten. Doch das Leiden ging für die Stadt und ihre Menschen danach weiter. Keine Stadt des früheren Deutschen Reiches hat so gelitten wie Königsberg. Auch Dresden nicht. Die Sowjets mit ihrer bolschewistischen Ideologie haben es fertig gebracht, das durch Kampfhandlungen total zerstörte Königsberg nach der Kapitulation noch weiter zu verunstalten.

Jede Analogie hinsichtlich deutscher Opfer am Ende des Zweiten Weltkrieges ist unangebracht. Verzeihen Sie, wenn ich dennoch einen Vergleich gebrauche. In Dresden starben am 13. und 14. Februar 1945 mindestens 200.000 Menschen, vielleicht auch 250.000. Sie starben, abgesehen von einigen Tausend Schwerverletzten schnell. In Königsberg gerieten am 9. April 1945 rund 110.000 deutsche Menschen in die Hände der Sowjets. Für sie begann der Weg durch eine irdische Hölle. Rund 80.000 sind bis zum Ende des Jahres 1947 in der Stadt verhungert. Liebe Zuhörer, das hört sich heute so nüchtern an. 80.000 verhungerte Menschen in Königsberg. Doch, wie sah das im einzelnen aus? Es sind ja 80.000 erschütternde Einzelschicksale. Ich will das etwas näher beleuchten. Erna Ewert macht für das Jahr 1947 in Königsberg folgende Einträge in ihr Tagebuch:

„Wir haben alle Hunger wie reißende Wölfe. Wenn man Holz auffressen könnte. Kartoffelschalen, Kartoffelschalen.“

Ein anderer Eintrag: „Mama ist tot. Mama dein Sterben war so schwer. Mama, hol’ uns bald“

Oder: „Wir haben kein Gefühl mehr für Sauberkeit und Ordnung. Ich könnte morden für ein Brot.“

Ein weiterer Eintrag: „Mein Peter – 6 Jahre – ist tot. Ich habe meinen Jungen verscharrt. Kein Deutscher gab mir einen Spaten. Mit meinen Händen habe ich für Peter ein Loch gescharrt.“

Marga Pollmann, ebenfalls in Königsberg Verbliebene, schreibt 1947 ebenfalls in der Stadt nieder: „Es taucht das Gerücht auf, die Deutschen können ausreisen. Das gab wieder Auftrieb, denn inzwischen war ich zu der Überzeugung gekommen, daß es besser wäre, die Kinder und mich auszulöschen als zuzusehen, wie die absinkende Moral in das eigene Leben greift. Sechsjährige deutsche Kinder stehen rauchend auf den Märkten, torkeln betrunken durch die Straßen, wie die Russenkinder auch. Der Russe hatte Freude daran, die deutsche Jugend zu zerstören. Waren meine Kinder zur festgesetzten Zeit nicht zu Hause, wußte ich nie, waren sie ausgeplündert, saßen sie im Bunker, waren sie abgeschlachtet.

Und dann berichtet Marga Pollmann über Kannibalismus.

Soweit ein kurzes Schlaglicht auf die Leiden der deutschen Restbevölkerung in Königsberg in den Jahren von 1945 bis 1947.

Frank Schirrmacher, der Mitherausgeber der FAZ hat in einem Artikel in seiner Zeitung zum 50. Jahrestag der Königsberger Kapitulation am 9. April 1995 an die schrecklichen Leiden der Deutschen nach Kriegsende erinnert. Knapp 30.000 Deutsche haben die Hölle überlebt, sie konnten 1947 und 1948 ausreisen. Im Königsberger Gebiet, das nun zur Sperrzone wurde, blieb kein Deutscher und keine Deutsche zurück. Dies hat in der bisherigen Weltgeschichte wirklich singulären Charakter.

Meine Damen und Herren, ich komme zum Ende. Die Geschichte Königsbergs ist nicht zu Ende. Von dem historischen Königsberg, von der sehr großen, berühmten Handelsstadt, wie es schon 1684 in einer Beschreibung heißt, hat nur wenig bis heute überdauert. Aber der Dom, Kant und Herzog Albrecht sind wiedererstanden. Wiedererstanden und zeugen ein wenig von der großen Geschichte der Stadt. Geschichte ist nach vorne immer offen. Zwar wissen wir, ein Weg zurück von Kaliningrad nach Königsberg ist kaum vorstellbar. Selbst dann nicht, wenn der Fall eintritt, den wir uns alle wünschen, daß die heutige Stadt ihren alten Namen zurückerhält. Aber: alle Wege nach Kaliningrad führen über Königsberg.

Nichts ist so beständig wie der Wandel. Die Quasi-Einbindung Königsberg und seines Umlandes in die EU-Strukturen ist nur eine Frage der Zeit. Nach diesem Jubiläumsjahr mit zahlreichen Veranstaltungen hier in Deutschland und in der Stadt selbst können wir feststellen: Königsberg/Kaliningrad ist nach Europa zurückgekehrt. Die Stadt, jahrzehntelang beschwiegen, ja durch hermetische Abschottung vor der Weltöffentlichkeit versteckt, hat sich in die Geschichte zurückgemeldet. Wir wünschen Königsberg und seinen Menschen alles erdenklich Gute.
 

Quelle:
Preußische Allgemeine Zeitung / Das Ostpreußenblatt Ausgabe 41/05, 15.10.2005

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