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Erzbischof Borowski

 


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Ludwig Ernst von Borowski (1740-1831)
Bischof und Erzbischof in Königsberg

Eine der volkstümlichen Königsberger Persönlichkeiten
seiner Zeit war der "alte Borowski"

von Herbert Meinhard Mühlpfordt

Nach der Absolvierung des Friedrichskollegiums 1755 wurde er 1758 Hauslehrer der Söhne des Generals v. Knobloch. In der Russenzeit Königsbergs bekannte er freimütig seine preußische Gesinnung, wofür ihn der Gouverneur Suworow in den Kerker warf. Durch Kaiserin Elisabeths Tod im Januar 1762 frei, eilte er zu den Fahnen und wurde schon mit 22 Jahren Feldprediger beim Regiment Lehwaldt. 1770 gab er das Soldatenleben auf und wurde Erzpriester in Schaaken, von wo der am 17. Juni 1740 geborene Königsberger 1782 an die Neuroßgärter Kirche berufen wurde. Er wurde dann Kirchen- und Schulrat, später Generalsuperintendent und Oberhofprediger an der Schloßkirche (1815).
Jeden Ruf nach auswärts lehnte er ab; denn er war wie Kant mit seiner Heimat untrennbar verwachsen. 1816 erhielt er den in der evangelischen Kirche ungewöhnlichen Titel eines Bischofs und 1829 den einzig verliehenen eines Erzbischofs. 91 Jahre alt, wurde er mit der Verleihung des Schwarzen Adlerordens geadelt. Doch überlebte er diese Ehrung nur wenige Monate und starb am 10. November desselben Jahres, nachdem er sieben Jahrzehnte sein Amt erfüllt hatte.

Borowskis Bedeutung liegt in seiner starken, übermächtigen Persönlichkeit, die ihren Willen und Glauben den zuströmenden Kirchenbesuchern ebenso aufzuzwingen verstand als seinen Kollegen und Untergebenen in seinen Ämtern und als dem oft in der Unglückszeit von 1806 bis 1809, als der Hof in Königsberg residierte, verzweifelten Königspaar. Friedrich Delbrück, der Erzieher der beiden ältesten Prinzen, nennt ihn "einen eigentümlichen Mann, dessen Vortrag durch die Gedanken einen gebildeten Geist, dessen Ton und Stimme einen väterlichen rührenden Sinn zu Tage legte". Oft gingen Friedrich Wilhelm und Königin Luise in die Neuroßgärter Kirche, um sich durch seine Predigten aufrichten zu lassen. Auch des nach dem Tode seiner Gemahlin tiefgebeugten Königs nahm sich der mächtige Glaubensstreiter Borowski liebevoll an; der König hat ihm bis zu seinem Tode seine Dankbarkeit bewahrt. Er erzählt: "Wenn ich zweifelte, schüttelte Borowski mir die Hand, klopfte mir auf die Schulter, faßte mich bei den Rockknöpfen und sprach mit Ernst und Würde eines Propheten Nathan: "Sie müssen glauben lernen, Majestät! So viel der Mensch glaubt, so viel gewährt ihm Gott!' So hatte noch nie jemand mit mir gesprochen, die wenigsten standen fest und ruhig vor mir: die meisten wollten mir nur Angenehmes sagen."

Als die Königin ihrem Prediger einmal freundlich vorwarf, daß er so selten zu ihren Tees käme, antwortete er: "Ich befolge darin nur den Rat der Heiligen Schrift, welche spricht: ,Dränge dich nicht in der Könige Häuser."'

Auch des Bischofs Volkstümlichkeit beruhte auf seiner charakterstarken Persönlichkeit. Zahllose Anekdoten liefen über ihn noch lange nach seinem Tode um.

So berichtete der Königsberger Generalsuperntendent D. Braun, daß, als nach der Verleihung des Schwarzen Adlerordens an Borowski sich die Königsberger in die Schloßkirche drängten, er nach Betreten der Kanzel sagte: "Was seid Ihr heute in so großen Scharen zu mir gekommen? Ihr dachtet alle: heut' hat er ihn um! Aber Prost Mahlzeit! Er hat ihn nicht um. Paßt es für mich, an heiliger Stätte mit Orden zu prahlen? Paßt das für Euch, so neugierig zu sein? Prost Mahlzeit! Das schickt sich nicht. Des Christen Schmuck und Ordensband - das ist das Kreuz des Herrn!"

Von Jugend an war Borowski furchtlos und schlagfertig. Aus seiner Militärzeit stammen die meisten Anekdoten.

So saßen einst die Offiziere seines Regiments in der Wachstube des Königsberger Schlosses und pichelten. Da kommt der Feldprediger vorbei. Um ihn anzuöden, stimmen die übermütigen Offiziere mit rauhen Kehlen an: "Jesus meine Zuversicht". Da steckt Borowski den Kopf durch die Türspalte: "Pst, meine Herren! Sie singen den falschen Vers. Der zweite muß es sein; er lautet: "Unser Wissen und Verstand ist mit Finsternis umhüllet!"

Noch bekannter ist sein Gespräch mit dem Leutnant v. Osten: Der wollte den Feldprediger in die Enge treiben und bezweifelte, daß in der kleinen Arche Noah so viele Tiere Platz gehabt hätten. "Mit nichten, Herr Leutnant! Die Allmacht Gottes kann alles. Er rief das Nashorn von Westen, den Papagei von Süden, das Walroß von Norden und den Esel von Osten und befahl dem Esel von Osten voranzuschreiten, worauf alle folgten." Borowski hatte die Lacher auf seiner Seite.

Der junge Offizier sann auf Rache. Bei der nächsten Begegnung fragte er scheinheilig, ob man alles, was die Bibel sagte, befolgen müsse, auch wenn es schmerzhaft sei? Als Borowski bejahte, sagte jener: Es steht geschrieben: So dir jemand gibt einen Streich auf den linken Backen, so halte ihm auch den rechten hin", und ergab dem Prediger einen Backenstreich. Blitzschnell gab der dem überraschten Jüngling die Ohrfeige verstärkt zurück. "Es steht geschrieben: Mit dem Maß, mit dem du messest, wird auch dir wieder gemessen."

Als die Kameraden die beiden Kampfhähne auseinanderbringen wollten, sagte Borowski gemütlich: "Es ist nichts, meine Herren - Herr v. Osten und ich legen uns nur die Heilige Schrift aus."

v. Osten aber wurmte dies so, daß er noch ein drittes Mal den Gottesmann attackierte: Er lud Borowski zum Abendessen; als der eintritt, reißt er eine Reitgerte von der Wand und sagt: "Kennen Sie Moses Zauberstab?" Er hebt die Peitsche.

Doch der Angegriffene zieht mit Gedankenschnelle eine Pistole und entgegnet ruhig: "Und kennen Sie Aarons Rauchfaß?"

Dies hatte zur Folge, daß die Gegner durch Vermittelung der Kameraden sich versöhnten.

Auch eine Baronin S. holte sich eine Abfuhr, als sie Barowski lächelnd fragte, ob nicht die Geschichte von Bileams Esel unglaubwürdig sei, weil doch ein Esel nicht mit menschlicher Stimme sprechen könne "Sie irren", erwiderte der Gottesmann' "es war kein Esel, Frau Baronin - es war ja eine Eselin, die ihren Mund auftat."

Zu dem nur sechs Jahre älteren Kant stand Borowski in herzlichem Verhältnis. Er hat eine wertvolle Kantbiographie geschrieben, die der Philosoph noch selbst korrigiert hat. Obwohl Borowski pietistisch erzogen wurde, rang er sich doch zu freierer Religionsauffassung durch und sagte: "Kants Postulate Gott, Freiheit des Willens und Unsterblichkeit sind die Grundweisheiten der christlichen Religion." Er gehörte auch zu des Philosophen Tafelrunde.

Nach seinem Tode wurde Borowski in einem Mausoleum auf dem Alten Altstädtischen Friedhof am Brandenburger Tor unter großer Anteilnahme des Volkes beigesetzt.

Als man kurz vor dem Zweiten Weltkriege die dortigen künstlerisch wertvollen Grabmäler herrichtete, beschloß man, den Sarg Borowskis unter fachkundiger Leitung Dr. Bieskes zu öffnen. Die Kommission fand den Erzbischof vollkommen erhalten vor. Man nahm dem Toten das Bischofskreuz von der Brust, dann verschloß man den Sarg und vermauerte die Gruft. Das Kreuz kam zu seinen Orden in das Prussiamuseum.

Als der Königsberger Schloßpfarrer Müller von Hitler zum Reichsbischof ernannt wurde, entnahm er trotz des Protestes des Kastellans das Kreuz dem Prussiamuseum und ließ sich damit photographieren. Dann hat er es vermutlich dem Museum zurückgegeben, wo es mit den anderen Schätzen in der Schreckensnacht vom 29./30. August 1944 zugrunde gegangen ist.

Borowskis Äußeres ist uns durch das Bild Julius Knorres erhalten, das in der Hauptstätte seines Wirkens, in der Neuroßgärter Kirche hing. Ich zeige hier dies Altersbild von ihm.
 

Quelle:
Der redliche Ostpreuße, Kalenderbuch 1981,
Verlag Gerhard Rautenberg, Leer, 1981, Seite 104-108


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