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Menschliches Elend

 


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Menschliches Elend und Chaos
ZDF-Zweiteiler „Die Gustloff“: Von den neuen deutschen Kriegsdramen das bisher beste
Von: Thorsten Hinz

Mit ihren Fernsehproduktionen „Dresden“ und „Die Flucht“, die deutsche Leidensgeschichten im Zweiten Weltkrieg thematisierten, haben ARD und ZDF zuletzt hohe Einschaltquoten erzielt.

Das lag am Gegenstand, nicht an der Qualität der Filme. In künstlerischer Hinsicht waren sie miserabel, weshalb sie auch keine Chance haben, als Klassiker in den Fernsehhimmel aufzusteigen. Durchwabert wurden sie vom Geist des Geschichtsgauklers Guido Knopp, der bei jeder Gelegenheit erklärt, die Deutschen hätten lediglich – und zwar in milder Form – von den Früchten gekostet, deren kriegerische Saat sie selber gelegt hätten.

Seinen elendigsten Ausdruck fand dieser Moralismus in politpornographischen Sequenzen, in denen deutsche Krankenschwestern sich insbrünstig zur deutschen Kriegsschuld bekennen und sich anschließend von englischen Bomberpiloten schwängern lassen, während britische Flugzeugpulks Kurs auf Dresden nehmen. Der politische Erziehungsauftrag, dem die Filme gehorchen, und ihr Kitschniveau sind die zwei Seiten derselben Medaille.

Größte Schiffskatastrophe der Weltgeschichte

Es ist paradox: Deutschland hat im 20. Jahrhundert die dramatischste, schlechthin exemplarische Geschichte überhaupt durchlebt, doch im Film weiß es fast nur Nichtigkeiten oder Erbauungsgeschichten darüber zu erzählen.

Das ist politisch so gewollt. Andererseits treibt es die Regisseure immer wieder auf das verminte Gelände, weil dort nun mal die unerlösten Geschichten liegen, ohne die Kunst und Kultur in Deutschland ohne historische und psychologische Tiefendimensionen bleiben.

Nun wagt sich Joseph Vilsmayer an das Drama der „Wilhem Gustloff“. Das einstige Traumschiff des Dritten Reiches hatte am 30. Januar 1945 mit zehntausend Menschen, die sich auf der Flucht vor der Roten Armee befanden, von Gotenhafen bei Danzig in Richtung Kiel abgelegt und wurde dann am Abend durch drei russische Torpedos versenkt. Über neuntausend Menschen starben. Es war die größte Schiffskatastrophe der Weltgeschichte.

Größte Schiffskatastrophe der Weltgeschichte

Es ist paradox: Deutschland hat im 20. Jahrhundert die dramatischste, schlechthin exemplarische Geschichte überhaupt durchlebt, doch im Film weiß es fast nur Nichtigkeiten oder Erbauungsgeschichten darüber zu erzählen.

Das ist politisch so gewollt. Andererseits treibt es die Regisseure immer wieder auf das verminte Gelände, weil dort nun mal die unerlösten Geschichten liegen, ohne die Kunst und Kultur in Deutschland ohne historische und psychologische Tiefendimensionen bleiben.

Nun wagt sich Joseph Vilsmayer an das Drama der „Wilhem Gustloff“. Das einstige Traumschiff des Dritten Reiches hatte am 30. Januar 1945 mit zehntausend Menschen, die sich auf der Flucht vor der Roten Armee befanden, von Gotenhafen bei Danzig in Richtung Kiel abgelegt und wurde dann am Abend durch drei russische Torpedos versenkt. Über neuntausend Menschen starben. Es war die größte Schiffskatastrophe der Weltgeschichte.

Vilsmayers Film durchbricht – soviel sei vorweggenommen – das übliche Erzählmuster an zwei Stellen in sensationeller Weise, doch zuvor sichert er sich ab. Der Vorspann beginnt mit der Aussage, Deutschland habe „der Welt den Krieg“ erklärt, sich also selber als „Feind der Menschheit“ eingeführt. Außerdem gibt es einen kurzen O-Ton aus der berühmte Sportpalast-Rede von Joseph Goebbels, der auf die Frage nach dem „totalen Krieg“ lärmende Zustimmung erntet.

Dem Zuschauer soll vermittelt werden, daß der „totale Krieg“, den die Deutschen anderen zugedacht hatten, mit Beginn der Filmhandlung nach Deutschland zurückgekehrt sei. So weit, so konventionell. Weil diese Konvention aber die grundsätzliche Schwäche des historischen Films in Deutschland bedingt, sind einige historische, ins Grundsätzliche gehende Anmerkungen dazu fällig.

Deutschland als eigenständige Macht auslöschen

Es gibt keinen Grund, Hitler und seine Bande aus der Verantwortung für ihre Verbrechen zu entlassen, aber in Bezug auf die drei Hauptalliierten sei an folgendes erinnert: Nicht Deutschland hat den Briten den Krieg erklärt, sondern umgekehrt, nachdem sie schon nichts unternommen hatten, um den Polen „bei einer gütlichen Einigung mit Deutschland zu helfen“, wie Margret Boveri im Oktober 1939 konstatierte.

Sogar auf dem Höhepunkt seiner Macht – nach dem Sieg über Frankreich im Juni 1940 – war Hitler außerstande, die Briten zum Friedensschluß zu zwingen, hatten sie doch begründete Hoffnungen, die USA und die Sowjetunion zum Kriegseintritt gegen Deutschland bewegen zu können.

Die Sowjetunion, formal mit Deutschland durch den Hitler-Stalin-Pakt verbunden, fürchtete einen deutsch-britischen Friedensschluß, der sie in Europa isoliert hätte, und zeigte sich gegenüber Avancen aus London aufgeschlossen, was in Berlin Einkreisungsängste weckte.

Zudem hatte Moskau eigene Pläne zur Westausdehnung. Sich die deutsche Zwangslage zunutze machend, forderte Außenminister Molotow im November 1940 in Berlin die strategische Unterwerfung Deutschlands unter Moskau. Die USA wiederum ließen keinen Zweifel daran, daß sie in den Krieg eintreten wollten.

Deutschland sollte als Nukleus eines starken Europa verhindert werden. Außerdem wollten sie das Empire auflösen und die britische Weltmachtposition politisch beerben. Alle drei Mächte waren sich einig darin, Deutschland als eigenständige Macht auszulöschen.

Die Goebbels-Rede zum totalen Krieg im Februar 1943 zielte nicht auf einen deutschen Weltmachtanspruch, sondern wurde aus der verzweifeltsten Defensivposition heraus gehalten, in der sich in jüngerer Zeit jemals ein Land befand. Wer über den Zweiten Weltkrieg, das Kriegsleid und den nationalsozialistischen Ausbruch ins Verbrecherisch-Dämonische adäquat reden will, darf über diesen historischen Kontext nicht schweigen. Das klebrige Moralisieren erledigt sich dann von selbst.

"Film als Metapher für den untergang der Nazi-Herrschaft"

„Als Herren der Geschichte des 20. Jahrhunderts haben sie kein Schmerz- und Schuldbewußtsein entwickelt, sowenig wie der subjektiv gesund sich Fühlende zum Psychiater geht“, schreibt Kulturkritiker und Merkur-Herausgeber Karl-Heinz Bohrer über die Amerikaner und Briten. „Ihre Semantik ist immer noch abgedeckt vom heiligen Zweck.“

Das habe ihnen erlaubt, „Dresden und später Hiroshima fast ohne moralische Skrupel auszulöschen“. Ihre Überzeugung wird von politischer, militärischer und kultureller Macht (Hollywood!) unterfüttert, weshalb ihre Handlungen nach wie vor durch eine übernationale Menschheitsloyalität legalisiert und legitimiert erscheinen.

Ähnliches gilt für die Greuel, welche die Russen in Ostdeutschland anrichteten, wobei im Kalten Krieg bereits eine gewisse Modifizierung stattfand. Um angemessen über die deutsche Tragik zu reden, müßte ein historischer Film aus Deutschland jedenfalls diese Siegersemantik genauso subversiv unterlaufen wie den Nationalsozialismus, auf die sie sich bezieht.

Die Qualität des neuen „Gustloff“-Films ist daran zu messen, wie weit er dieser Notwendigkeit entgegenkommt. Drehbuchautor Rainer Berg nannte ihn eine Metapher „für den Untergang der Nazi-Herrschaft ... frei nach Büchner: Die Tyrannei frißt ihre Kinder“. Zum Glück ist der Film besser als die nachgereichte Interpretation.

Mehrere Handlungsstränge werden mal mehr, mal weniger geschickt miteinander verknüpft: Die Fluchtgeschichte einer ostpreußischen Rumpffamilie, die Liebesaffäre zwischen Kapitän Hellmuth Kehding (Kai Wiesinger) und einer Marinehelferin (Valerie Niehaus), ein Bruderkonflikt und eine Verratsgeschichte.

Der Ausgang des Krieges stand zu dem Zeitpunkt längst fest

Die verschränkte Handlung und seine Detailgenauigkeit machen den Film teilweise zähflüssig, verdeutlichen andererseits in naturalistischer Weise das menschliche Elend und das Chaos, das sich bei der Einschiffung und später auf dem überfüllten Passagierdampfer abspielte.

Dem Zuschauer wird die theoretische Erörterung erspart, ob die Torpedierung kriegsrechtlich vertretbar war, ob die Anwesenheit von Marinehelferinnen und Soldaten auf der „Gustloff“ das Schiff zum legitimen Angriffsziel machten oder ob die Schraubengeräusche, die Silhouette und Positionslichter sie hinreichend als Fahrgastschiff auswiesen. Viel wichtiger erscheint, daß der Ausgang des Krieges zu diesem Zeitpunkt längst feststand.

Im Angesicht eines zu allem entschlossenen Hitler – der von keinem Widerstand mehr, höchstens durch eine Palastrevolte seiner zum Überleben entschlossenen Paladine gestürzt werden konnte – auf der bedingungslosen Kapitulation zu bestehen, bedeutete die Selbstermächtigung der Alliierten zur Ermordung Wehrloser.

Die Symbole dieser Politik sind das Dresden-Bombardement und die Versenkung der „Gustloff“. Dem Einwand, die deutsche Marine habe durch die Vermengung von Zivilisten und Soldaten die „Gustloff“-Katastrophe selber veranlaßt, kann mit dem Hinweis auf eine weitere tragische Verknüpfung begegnet werden: Nur solange die deutschen Truppen standhielten, konnten Zivilisten nach dem Westen gerettet werden!

Detlef Buck nimmt man den knorrigen Ostpreußen ab

Zwei Figuren sind besonders interessant. Da ist der von Heiner Lauterbach gespielte kantige Marineoffizier Harald Kehding, der einem möglichen Anschlag gegen die „Gustloff“ auf der Spur ist. Ist er ein Nazi? Der Film läßt diese Frage als irrelevant dastehen.

Kehding versucht, der Anschlagsplanung auf die Spur zu kommen und Menschenleben zu retten. Harte Handlungen und Entscheidungen, wie sie heute für Entrüstung sorgen, werden aus der konkreten Bewährungssituation heraus verständlich gemacht. Ob Vilsmayer den Marinerichter Filbinger im Hinterkopf hatte?

Auf ihrer Todesfahrt erreichte die „Gustloff“ ein mysteriöser Funkspruch, der fälschlicherweise vor einem deutschen Minensuchverband auf Gegenkurs warnte. Um einen Zusammenstoß zu vermeiden, wurden bei katastrophalen Sichtverhältnissen Positionslichter gesetzt, womit das Schiff sich als Zielscheibe für das russische U-Boot preisgab.

Im Film wird unterstellt, daß ein zwielichtiger Funkmaat (überzeugend dargestellt von Detlef Buck, dem man auch den knorrigen Ostpreußen abnimmt) in russischer Kriegsgefangenschaft angeworben worden war, der Roten Armee zuarbeitete und die Torpedierung mitverursachte.

Trotz Schwächen das bisher beste der neuen deutschen Kriegsdramen

Mit dieser Konstellation geht Vilsmayer weit über das Übliche hinaus. Nicht alles, was aus Deutschland heraus zugunsten der Kriegsgegner unternommen wurde, verdient demnach den Ehrentitel „Widerstand“. Es gab auch, das stellt der Film klar, den fluchwürdigen, todbringenden Verrat! In dieser Aussage lieg ein unübersehbares Element des Widerstands gegen die Siegersemantik. Hätte Vilsmayer ihn gewagt, wenn eine antirussische Stimmung politisch nicht gerade en vogue wäre?

In der Summe ist der „Gustloff“-Film trotz Schwächen, Längen und kritikwürdiger Details von den neuen deutschen Kriegsdramen das bisher beste!

Stichwort: Die "Gustloff"

Die „Wilhelm Gustloff“, das „klassenlose“ Flaggschiff der NS-Organisation „Kraft durch Freude“ (KdF), lief im Mai 1937 in Hamburg vom Stapel. Benannt nach dem Landesgruppenleiter der NSDAP in der Schweiz, der 1936 einem Attentat zum Opfer fiel, fungierte die „Gustloff“ zuerst als Urlauberschiff, wurde 1939 zum Lazarettschiff umfunktioniert, diente als Soldaten-Wohnschiff und als Flüchtlingstransporter. Am 30. Januar 1945 um 21.09 Uhr trafen sie Torpedos eines Sowjet-U-Boots. Die „Gustloff“ sank in kürzester Zeit. Neuntausend Menschen fanden den eisigen Tod.

„Die Gustloff“, 2. und 3. März, 20.15 im ZDF. Im Anschluß wird an beiden Tagen jeweils „Die Gustloff – Die Dokumentation“ ausgestrahlt.

Quelle:
Text: JUNGE FREIHEIT Verlag GmbH & Co., Ausgabe 10/08 vom 27.02.2008

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weitere Informationen:
http://history.zdf.de/ZDFde/inhalt/8/0,1872,7133864,00.html;
www.bdv-duesseldorf.de/Wilhelm-Gustloff.53.0.html

Bezugshinweis:
amazon.de:
TV-Film "Die Gustloff" (2 DVDs)
http://www.amazon.de/Die-Gustloff-DVDs-Kai-Wiesinger/dp/B001251S9Y/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=dvd&qid=1204196945&sr=1-1;

amazon.de: Dokumentation "Triumph und Tragödie der Wilhelm Gustloff" (DVD)

http://www.amazon.de/Triumph-Trag%C3%B6die-Wilhelm-Gustloff/dp/393950498X/ref=sr_1_2?ie=UTF8&s=dvd&qid=1204196945&sr=1-2


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